Die Alles-oder-Nichts-Ehe

In „The New York Times“ erschien ein Bericht über die „Alles-oder-Nichts-Ehe“. Hier eine Zusammenfassung:

Während die Scheidungsrate sich seit 1980 bei etwa 45% ein pendelt, hat sich die Qualität der verbleibenden Ehen verändert:

Die Durchschnittsehe ist heute in einem schlechteren Zustand als die Durchschnittsehe von damals; die Qualität der gelungenen Ehen ist demgegenüber höher als die der gelungenen Ehe damals, und zwar in Bezug auf der Zufriedenheit und des persönlichen Wohlbefindens.
Die Schere zwischen den glücklichen Ehen und den mittelmäßigen Ehen hat sich somit extrem vergrößert.
Ich will es mal so übersetzen:

Die gelungenen Ehen sind in ihrer Qualität besser – der Rest der Ehen sind unglücklicher geworden.
Wie kommt es zu dieser Entwicklung?

Die Erwartungshaltung und der Anspruch an die Ehe hat sich sehr entscheidend verändert. Nach der Ära der institutionellen Ehe, die den Partnern vor allem die Sicherheit zum gemeinsamen Überleben gegeben hat, kam im letzten Jahrhundert die Kameradschaftsehe. Da die Gesellschaft wohlhabender wurde und ihre sozialen Sicherheiten zunahm, konnten sich die Paare den Luxus aneignen, sich in der Ehe verstärkt auf Liebe und Kameradschaft zu konzentrieren.

Ab 1965 ist eine neue Tendenz zu erkennen: Die sogenannte Selbstausdrucks-Ehe. Der zunehmende Anspruch auf Selbstverwirklichung, hohes Selbstwertgefühl und Erhöhung des persönlichen Wohlbefindens macht auch nicht vor der Ehe halt. Dieser Anspruch wird direkt an die Ehe gestellt. Die Ehe wird als ein Mittel auf dem Weg zur persönlichen Erfüllung gesehen.
Diese Erwartungshaltung hat einen wesentlichen Einfluss auf das Investment, den man nun für eine gelungene Ehe machen muss.
Während in der institutionellen Ära die Bedürfnisse der Ehe durch eine gesunde Familie in einem warmen Haus und genug zu Essen erfüllt wurden, müssen nun die Partner heutzutage wesentlich mehr Zeit und Energie in die Qualität ihrer Beziehung investieren. Damit ist eine aktive und bewusste Gestaltung der Partnerschaft gemeint.

Der Einsatz, um die Erwartungen zu erfüllen, sind also anspruchsvoller und aufwendiger geworden.

Anhand von verschiedenen Studien stellt der Autor dar, dass genau diese Bereitschaft, Zeit und Energie in die Beziehungen zu investieren, bei den meisten Paaren aus verschiedenen Gründen nachlässt oder erst gar keine Möglichkeit dazu besteht. Das führt dazu, dass die hohen Erwartungen sehr schnell wie ein Kartenhaus zusammenbrechen. Es kommt zur Scheidung oder zu einer qualitativ nicht sehr guten Beziehungen. Das ist dann das Ergebnis, welches in meinen Coachings immer wieder beschrieben wird als: „Wir haben uns auseinander gelebt.“ beziehungsweise „eigentlich funktionieren wir noch ganz gut miteinander.“

Die zentrale Aussage ist also, dass in die moderne Ehe mit den hohen Erwartungen nicht die entsprechend notwendige Energie und Zeit investiert wird.

Dazu möchte ich von meiner Seite hinzufügen:

  1. Um so wichtiger ist es, einen Weg zu finden, als Paar bewusst das Zusammensein zu gestalten und diesen Weg auch gemeinsam einzuschlagen.
  2. Je geringer die Qualität der Beziehung ist, desto mehr Energie und Zeit muss das Paar in das „Projekt“ Ehe investieren. Daher gilt: je früher man damit beginnt, desto größer ist die Chance, dass die „Selbstausdrucks-Ehe“ auch gelingt!
  3. Wege und Möglichkeiten eine Beziehung gelungen zu gestalten und die nicht viel Zeit kosten, aber sehr wirkungsvoll sind, findest Du unter http://beziehungstraining-mainz.de

 

Link zum Artikel:
http://www.nytimes.com/2014/02/15/opinion/sunday/the-all-or-nothing-marriage.html?smid=fb-share&_r=1