Eine kurze Abhandlung für den Umgang mit einem aktuellen Schmerz.

Leid, Wut, Schmerz oder Ärger entsteht dann, wenn wir Erwartungen, Vorstellungen und Wünsche haben, die nicht eintreten oder nicht erfüllt werden.
Werden unsere Erwartungen nicht erfüllt, haben wir eine Erklärung dafür, warum es so ist. Diese Erklärung beruht nur auf unseren eigenen Erfahrungen und unserer Meinung, die wir über die Situation haben. Von dieser sind wir so überzeugt, dass es anders nicht sein kann. Wir vergessen, dass wir nie wissen können, was wirklich ist und war. (Hier ignorieren wir die Wissenschaft, die schon lange bewiesen hat, dass in unserer Erinnerung es nicht so ist, wie es war. Bzw. dass wir nie alles so wahrnehmen, wie es wirklich war/ist.)

Die Erklärungen dienen auch dazu, uns Recht zu verschaffen, warum wir leiden. Wir begründen damit den Schmerz, den wir uns selbst zugefügt haben. Der Schmerz ist somit etwas Berechtigtes… Wir schaffen uns das Recht, diesen Schmerz zu haben. Der andere ist daran schuld, das wir leiden. (Das stellen wir intensiv unsere Vertrauensperson, die uns helfen wollen, vor. Sie müssen sich dann unsere Schuldvorwürfe an die anderen stundenlang anhören.)
Hätten wir die Erwartungen nicht, wäre kein Schmerz und kein Leid da.
Das ist kein Urteil über die Erwartungen. Erwartungen geben uns im Leben Orientierung. Und wir haben Wünsche. Die Erwartungen, die man hat, müssen nicht unbedingt falsch sein. (Auch wenn es sich mit weniger Erwartungen wesentlich leichter leben lässt.)
Es bedeutet, wenn Erwartungen nicht erfüllt werden, hast Du zwei Möglichkeiten:

  1. Du lässt von Deinen Erwartungen ab. Du nimmst das an, was um Dir passiert. Du lässt es nicht so stark auf Dich wirken, so dass es Dich emotional einnimmt. (Ziemlich schwer, wenn man was unbedingt will, und diese Erwartung für einen so wichtig ist…)
  2. Du änderst die Situation. Dazu gibt es wieder zwei Wege:
    1. Du teilst der anderen Partei es mit. (Sehr schwer, den richtigen Ton zu treffen, aber es lohnt sich)
    2. Du ziehst Dich zurück.

Der Umgang mit den Erwartungen reicht aber nicht aus, wenn das schon passiert ist, was Dich so verletzt. Dann ist der Schmerz oder der Ärger da und beeinträchtigt uns.
Wir müssen uns dann mit dem Schmerz konkret auseinandersetzen.
Was kann man tun?

Es gibt verschiedene Methoden. Aber eine funktioniert sehr selten: Dass ich einfach beschließen kann, es hört jetzt auf. Ich kann mir selbst nur ganz selten befehlen, nicht mehr über die Situation Gedanken zu machen. Denn die Gedanken kommen plötzlich aus dem Nichts. Und wenn sie da sind, erzeugen diese Gedanken diese negativen Gefühle und den Schmerz.

  1. Mit den Gedanken arbeiten: Sobald ich merke, dass ich wieder in der Gedankenspirale bin, dass ich mir Sorgen mache, dass ich Angst habe etc. sage ich zu mir: OK, die Gedanken sind wieder da. Lass mich lieber im jetzt achtsam sein: „Ich atme ein und weiß, dass ich einatme – ich atme aus, und weiß, dass ich ausatme.“ (Siehe Literaturempfehlung Thich Nhat Hanh )
  2. Mit den Gefühlen arbeiten: Ich spüre meinen Schmerz in meinem Körper. Ich fokussiere mich nur auf dieses Gefühl. Ich beobachte es. Wo ist es genau. Wie fühlt es sich an? Nun stelle ich mir die Fragen der Sedona Methode: 1. Frage: Könnten Sie dieses Gefühl willkommen heißen? 2. Frage: Könnten Sie dieses Gefühl loslassen? 3. Frage: Wären Sie bereit dazu? 4. Frage: Wann? (Siehe Literaturempfehlung Sedona Methode, )

Zugegeben: Das lässt sich alles leicht schreiben. Ich merke es selbst immer wieder: Ganz so einfach, wie es viele Selbsthilfebücher beschreiben, ist es nicht. Ein Tipp: Verabrede Dich regelmäßig mit einer Freundin oder Freund, um diese Übungen regelmäßig zu machen. Oder probiere ein kostenloses Coaching aus.

Eine Einstellung ist sehr wichtig und förderlich: Ein gewisser Glaube, dass es wieder besser wird. Hier kannst Du, wenn es Dir entsprechend vertraut ist, Gott, das Universum oder eine andere größere Macht, hinzuziehen, die dafür sorgt, dass es wieder besser wird. Hast Du diese nicht, ist folgende Überlegung hilfreich: Es haben schon sehr, sehr viele andere Menschen eine vergleichbare Krise, wie Du sie jetzt erlebst, gehabt. Sie haben es geschafft. Du wirst es daher auch schaffen. Vertraue Dir selbst, dass Du alles in Dir trägst, um diese aktuelle Krise zu überstehen.