Achtsamkeit?
Nein Danke, ich habe genug Probleme!

„Mein Partner ignoriert mich oder meckert mich an. Ich kann machen, was ich will. Achtsamkeit ist da das letzte, wofür ich Zeit habe.“

Solche Antworten begegnen mir öfter, wenn ich wegen meines Trainings “Achtsamkeit in der Partnerschaft” angesprochen werde. Und wenn ich mir dann die Situation der betroffenen Person schildern lasse, dann stimme ich voll und ganz zu: So klappt das nicht!

Was ist aber die Situation? Wenn der Betroffene seine Situation beschreiben soll, was kommen da für Antworten? Sie lauten:

  • „Ich habe schon alles unternommen, um das Gespräch mit ihr/ihm zu suchen.“
  • „Ich kann freundlich sein, hilfsbereit sein, alles für sie/ihn machen – für ihn/sie bleibe ich Luft.“
  • „Ich kann diese kalte Wand von ihm/ihr einfach nicht durchbrechen.“

Nur einige Beispiele. Aber was fällt uns bei diesen Sätzen sofort auf:
Es dreht sich alles um den Partner/Partnerin.
Und solange es sich nur um den Partner dreht, solange bei jeder Aktion alle Gedanken nur auf den anderen gerichtet sind, solange steckt hinter jeder Handlung ein bestimmter Zweck: „Wie bekomme ich meinen Partner zurück? Ich brauche doch seine/ihre Liebe! Ohne ihn kann ich nicht mehr leben. „
Und was ist nun der Tipp, den wir entweder schon 10000 mal gehört , in „11 Tipp-Reihe“ gelesen oder schon selbst anderen gegeben haben:

  • Es darf sich nicht immer alles um den Partner/in drehen.
  • Denke mal an Dich.
  • Du musst Dich selbst lieben.
  • Du lehnst Dich selbst ab, dann lehnt er/sie Dich auch ab.
  • …..

“DANKE!” Sagt da der/die Betroffene zurecht: „Danke dass weiß ich inzwischen auch. Ich versuche es ja…..“

Solange wir Ratschläge lesen oder hören und sie gedanklich betrachten, solange wir also auf der Ebene des Verstandes arbeiten…
solange passiert wenig – bis nichts. Oder es passiert etwas, aber nur zu Beginn und dann nur sehr langsam.

Warum?

Die Ursachen unseres Verhalten sind so tief in uns verankert, dass wir unser Verhalten mit unserem Verstand selten bewusst steuern können.

Wir kennen es: Wir haben uns etwas vorgenommen: Ab jetzt wollen wir anders reagieren. Und dann – schwubst, die Situation tritt wieder auf, schon passiert es wieder. Unsere Verhaltensmuster stecken einfach zu tief im Unterbewusstsein (oder wo auch immer).

Was jetzt?

Ich habe eine Erfahrung gemacht, und mache diese mit mir und anderen immer wieder:

Es verändert sich nur dann etwas, wenn wir aufgegeben haben, unsere Verhaltensmuster verändern zu wollen.

Was?? Heißt das, wie müssen dann immer auf- und nachgeben?

Nein! Es heißt, dass wir die Situation annehmen. Es heißt nicht, dass die Situation gut, richtig oder vernachlässigbar ist. Es heißt, dass wir die Situation nicht verändern können, aber wir können verändern, wie wir damit umgehen.

Was heißt das konkret?

Hier kommt Achtsamkeit wieder ins Spiel:
Wenn es wieder so weit ist, wenn Du Dich wieder ignoriert fühlst: Dann sei achtsam! Genau in diesem Moment! Verfolge aufmerksam, wie Du gerade mit Deinen Füßen den Fußboden berührst. Spüre, wie Dein Atem durch die Nase ein und aus strömt. Oder beobachte, wie die Vögel durch die Luft fliegen, höre ihr zwitschern. Beobachte, wie die grünen Blätter der Bäume sich im Wind geschmeidig biegen und höre wie die Blätter rauschen. Nehme den gegenwärtigen Moment bewusst wahr.

Was passiert dadurch?

Wenn Du achtsam bist, lenkst Du Dich von Deinen Gedanken und dem Wollen, etwas zu verändern, ab. Ja, es ist quasi eine Ablenkung – aber eine Ablenkung von dem Störenden auf das Wesentliche, nämlich auf den gegenwärtigem Moment.
Und wenn Du ganz im gegenwärtigen Moment bist, wirst Du merken, dass dort keine Angst, kein Wunsch, und kein Verlangen nach mehr ist. Im gegenwärtigen Moment ist alles da.

Wirklich?

Du wirst es nur raus finden, wenn Du es machst! Übe es jetzt schon mal! Schaue mal vom Bildschirm auf. Schaue in die Weite und spüre jetzt Dein Tablet/Handy oder Deine Maus in der Hand. Jetzt!
Und wie war es? Du kannst es steigern, indem Du dabei noch drei mal ein und ausatmest. Probiere es jetzt nochmal! Komm mache es! (Es sieht keiner.)
Oder gehe spazieren, Alleine. und beachte, wie Deine Fußsohlen auf dem Boden abrollen. Oder wie Dein Knie sich beim Gehen bewegt.

Herzlichen Glückwunsch!

Das war Dein erster Schritt in Richtung Achtsamkeit! Und wenn Du damit schon viel Erfahrung vorher gesammelt hattest, dann war es wieder mal ein gegenwärtiger Moment – ein schöner Moment!