In den letzten Podcasts sprach ich über Glaubenssätze.
Dieser Podcast und der nächste Podcast beschäftigt sich mit dem Thema: Sexuelles Verlangen in der Partnerschaft

Wir alle haben und kennen Verlangen. “Ich will…” Das sind die ersten Worte, die wir lernen!
Wir erleben ständig Verlangen. Und das besonders in der Partnerschaft.

Zum Verlangen gibt es eine spannende Aussage von David Schnarch, US-amerikanischer Paar- und Sexualtherapeut in seinem Buch: “Intimität und Verlangen” (Literaturangabe siehe unten).
Er sagt:
Die Kontrolle über Sex in einer Partnerschaft hat immer der Verlangensschwächere.”

Upps? Wie kommt er darauf? In diesem Podcast will ich aufzeigen, wie er zu diesem Schluss kommt. Im nächsten Podcast stelle ich eine Methode vor, damit umzugehen.

Beginnen wir Schritt für Schritt:

Zunächst sagt er:

Das Verlangen in einer Partnerschaft ist bei beiden Partnern immer unterschiedlich stark ausgeprägt.
Es gibt immer einen mit stärkerem Verlangen und immer einen mit dem schwächeren Verlangen.

Das hat, so Schnarch, zwangsläufig die Folge, dass es bei alle Paaren zu Problemen und Konflikten führen kann. Denn Konflikte entstehen in der Regel durch unterschiedliche Interessen, und das ist ja dann der Fall.
Jetzt sagst Du: quatsch – bei den Müllers neben an ist das nicht so. David Schnarchs Antwort dazu:
Die Paare, die damit kein Konflikt haben, gehen mit dieser Situation einfach nur besser um!

Also, so sein erstes Fazit: Unterschiedliches Verlangen und damit Konflikte der kleineren oder größeren Art sind der Normalzustand in einer Beziehung.
Das finde ich ganz spannend, weil man doch immer denkt: Hilfe, wir haben ein Konflikt, und das ist ein richtiges Problem, also ist etwas bei mir/uns etwas  nicht normal.
Nein: es ist zwar ein Konflikt- aber das ist völlig normal!!! Das tritt überall auf! Jeder hat das!

Übrigens, wenn wir Verlangen in der Partnerschaft hören, denken wir sofort an das sexuelle Verlangen in der Partnerschaft
Das liegt sicher daran, weil dieses Verlangen uns am stärksten dominiert. Aber Schnarch sagt ausdrücklich: das unterschiedliche Verlangen in einer Beziehung kann alles sein, wo zur Erfüllung des Verlangens beide Partner der Beziehung beitragen müssen.
Das kann die Ordnung zu Hause sein, die gemeinsamen Ausflüge zur Verwandtschaft, die Kindererziehung oder der Kinderwunsch!

Allerdings fällt es uns beim sexuellen Verlangen am schnellsten auf und hier sind die Konflikte meist am folgenschwersten.

Ob Du allerdings nun der Verlangensstärkere oder der Verlangensschwächere Partner bist, das entscheidest nicht Du, oder Dein vergangenes Leben.
Wer nun „stärker“ oder „ schwächer“ ist, dass entscheidet Dein Partner! Besser gesagt: das ist eine relative Feststellung.
Wenn Du in einer vergangenen Partnerschaft der mit dem stärkerem Verlangen bist, kannst Du bei der jetzigen trotzdem derjenige mit dem schwächeren Verlangen sein.

Das heißt also, im normalen Fall und in jeder Partnerschaft gilt:
ich kann nie sagen, mein Partner ist sexsüchtig oder frigide, sondern er ist eben der Verlangensstärkere oder der Verlangensschwächere als ich.
Diese Einsicht verschiebt die Perspektive des Problem vom Partner auf die Beziehung! Und die besteht bekanntlich aus beiden Partnern.

OK, das ist eine Menge Info zum Verlangen. Fassen wir zusammen, was wir bis jetzt haben:

  1. Es gibt immer einen Verlangensschwachen und Verlangensstarken in der Partnerschaft.
  2. Das kann Konflikte erzeugen.
  3. Aber das ist völlig normal! – Das haben alle!
  4. Die glücklichen Paare wissen damit umzugehen.
  5. Es ist relativ! Es es ist immer abhängig vom anderen!

Soweit bis jetzt, gehen wir weiter:

Wenn Du Dir nun eine Situation in Deiner Partnerschaft betrachtest, in dem Du der Verlangensschwächere bist, dann überlege mal. Wie wirkt es auf Dich? Wie erlebst Du die Situation?
Gehen wir davon aus es geht um Sex, dann lautet die Antwort meistens: „Immer will mein Partner Sex! Er dominiert und bestimmt unser gesamtes Sexualleben.“
Und wenn nun die Frage kommt: Wer kontrolliert den Sex in Deiner Partnerschaft? Wie lautet für Dich die Antwort?
Spontan: der Verlangensstärkere, oder?

Und jetzt kommen wir zurück zur Schnarchs Behauptung:

Der Partner mit dem schwächeren Verlangen hat immer die Kontrolle über den Sex.
Nun können wir auch seine Begründung gut nachvollziehen:

  1. In den meisten, wenn nicht sogar in allen Fällen geht der Anstoß und die Initiative nach sexuellen Aktivitäten von dem Verlangensstärkeren aus. Der Verlangensschwächere ergreift schon gar nicht mehr die Initiative, weil er ja weiß, dass der Verlangensstärkere bald wieder an kommt.
  2. Der Verlangensschwächere muss nun zustimmen, ob er sich darauf einlässt oder nicht. Weil ja beide mitmachen müssen. Somit entscheidet der Verlangensschwächere, ob es nun zur Aktion kommt oder nicht!
  3. Somit hat der Verlangensschwächere die Kontrolle darüber, ob und wie viel Sex zustande kommt oder nicht. Daran kann er sogar nichts ändern! Diese Kontrolle liegt in seiner Verantwortung. Ob es ihm oder ihr recht ist oder nicht.

OK, ich glaube das reicht jetzt erstmal mit der Theorie von David Schnarch. Literaturhinweise wie immer auf meiner Webseite.

Das klingt alles ganz einfach auf dem Papier. Aber wie sollen wir damit nun umgehen?
Das findest Du in dem zweiten Teil des Podcastes.
Bis dahin viel Spaß beim Verarbeiten dieser Information!

Dein Gangolf

 

Literaturhinweise