Verteidigungshaltung im Streit – wer kennt es nicht?

Die Tage erhielt ich mal wieder einen interessanten Artikel aus dem Blog #staymarried.

Hier eine freie, deutsche Zusammenfassung mit den wichtigsten Aussagen aus meiner Sicht:

Eine Möglichkeit in einem Streit zu reagieren ist es,  in eine Verteidigungshaltung zu gehen. Liegt das daran, dass wir uns vor dem starken und überzeugenden Konfliktpartner schützen wollen? Meistens nicht:
Die Verteidigungshaltung hat meistens nicht viel mit dem Partner oder der Partnerin zu tun. Sondern sie resultiert aus dem Gefühl unserer Unsicherheit. Je unsicherer, desto schneller und stärker die Verteidigung. Und sie resultiert daraus, welche Kommunikationsstrukturen und sogenannte Trigger wir in der Partnerschaft aufgebaut haben. Wenn der Partner den Trigger erwischt, dann bringt das uns schnell auf die Palme.
Es reicht zum Beispiel der Blick des Partners durch das Wohnzimmer, der mir das Gefühl gibt, ich bin unordentlich und unzuverlässig. Oder das Augenverdrehen, wenn ich auch nur 5 Sekunden zu spät am vereinbarten Treffpunkt ankommen.
Denke jetzt mal kurz nach: Welche Bemerkung, oder welches Verhalten macht Dich unsicher und bringt Dich schnell in eine Erklärungsnot oder in eine Verteidigungshaltung?

Was kann man machen, wenn es Dir passiert?

Ob das Verhalten berechtigt zu sein scheint oder nicht – eine Verteidigungshaltung bringt uns eher auseinander, als zusammen. Wie kann man also bewusst reagieren?
Der erste wichtige Schritt ist es, zu merken, dass wir in dieser Verteidigungshaltung sind. Und der zweite Schritt ist sehr schnell dahin geschrieben, denn Du kannst Dir mehrmals auf die Schulter klopfen, wenn Du es geschafft hast:
Spreche es aus! Sage es kurz und knapp, etwa so wie: „Ich werde von Deinem Blick verunsichert. Eigentlich will ich mich jetzt verteidigen. Ich fühle mich falsch verstanden. Ich brauche etwas Zeit, um mich zu beruhigen.“
Wenn Du es schaffst, das aus zu sprechen, hat es schon eine entschiedene Wirkung. In der Regel ist es ja so, dass wir in einer Partnerschaft miteinander und nicht gegeneinander arbeiten. So eine Öffnung bewirkt meistens beim Gegenüber, dass er/sie überrascht ist (weil er/sie sonst ja die Verteidigungshaltung kennt). Und eine Überraschung erzeugt Interesse und Aufmerksamkeit. So entsteht in dem Konflikt eine intensiver und bewusste Kommunikation.

Was kann man machen, wenn Dein Partner in die Verteidigungshaltung geht?

Wenn Du es hier anspricht: „Schatz, Du bist mal wieder in Deiner Verteidigungshaltung…“ dann erntest Du bestimmt: „Ich verteidige mich gar nicht, ich sage nur was hier die Realität ist,…..“
Überlege hier im ersten Schritt, was ist eben passiert, dass Dein Partner oder Deine Partnerin so reagiert?
Gehe darauf ein: „Ich wollte Dich jetzt damit nicht wütend machen, kann ich irgendetwas machen, was Dich beruhigt?“ (Kleiner eigener Hinweis: Das sollte auch wirklich so sein! Wenn Du ganz bewusst Dich so verhalten hast und Du weißt, dass es sie/ihn auf die Palme bringt, dann ist das hier eine andere Baustelle.)
Auch hier wird Dein/e Partner/in erstmal etwas überrascht sein. Mal sehen was dann passiert!

Soweit meine freie Zusammenfassung aus dem Blog.
Ja, das hier ist alles leichter gesagt als getan. Eigentlich genau der Grund, warum ich Ratschlag- und 11-Tipps-die-Deine-Partnerschaft-retten-Artikel oft sehr kritisch sehe. Denn es reicht nicht aus, dass wir einen Ratschlag einfach nur umsetzen. Wir müssen unsere “wirkliche” innere Haltung zu uns, zu der Situation und zu unserem Partner hinterfragen, erkennen und dann noch gegebenenfalls verändern. Das ist nicht so einfach, wie es sich im Ratschlag anhört…

Was ist unsere innere Haltung? Sind wir uns immer so sicher, diese zu kennen? In unserem Leben haben wir uns einige anerzogene Glaubenssätze zugelegt, die uns in unserem Verhalten beeinflussen. Wenn dann noch ein Glaubenssatz im Widerspruch zu unserer inneren Haltung steht, entsteht ein innerer Konflikt. Wir fühlen uns unsicher und sind nicht authentisch.

Daher ist es hilfreicher, den Glaubenssatz zu erkennen und zu verstehen, in wie weit er im Gegensatz zu unserer inneren Haltung steht. Das hilft, um diesen Glaubenssatz ablegen zu können – nun tritt nur unsere innere Haltung hervor.

Genau dieser Zustand – die innere Haltung zu kennen und zu ihr stehen – gibt uns Sicherheit und Vertrauen, was uns wiederum ermöglicht, authentisch und überzeugend zu handeln.
Und der erste große Schritt in diese Richtung ist es, dass wir realisieren, was gerade in diesem Moment passiert. Aber das ist wie gesagt nicht so einfach, wenn zusätzlich unser Puls auf 180 ist und ein Gefühlsausbruch doch so berechtigt zu sein scheint….

 

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